Archiv für Oktober 2009

Oracle bezieht Stellung

Samstag, 31. Oktober 2009

Seit Oracle Sun gekauft hat, steht oft die Frage im Raum, welche Sun-Produkte und -Geschäftsfelder Oracle fortsetzen will. Oracles offzielle Stellungnahme kann hierzu unter der URL http://www.oracle.com/ocom/groups/public/documents/webcontent/038563.pdf gefunden werden.

JIRA 4 ist da

Dienstag, 27. Oktober 2009

JIRA 4 ist da und wartet mit einer Vielzahl von neuen Features auf, wobei ich mir auch manches langbestehende Manko (JRA-9, JRA-1549) behoben gewünscht hätte. Trotzdem beeindrucken mich auch die neuen Funktionen wie ein neues Dashboards, Activity Streams, die OpenSocial-Integration sowie das allgemein verbesserte UI. Einen Überblick über die neuen Features gibt es bei Atlassian-TV.

Das Killerfeature an sich ist für mich aber die SQL-ähnliche Jira Query Language, mit der sich jetzt endlich auch komplizierte Anfragen bauen lassen, die über das bisherige Interface nicht möglich waren. So kann jetzt beispielsweise nach leeren Feldern gesucht werden, um zu herauszufinden, welchen Issues noch notwendige Felder fehlen. Auto-Completion und Syntaxcheck im Webeditor – was will man mehr? Mehr zur JQL gibt es hier in diesem Atlassian-TV-Beitrag oder in der JIRA-Dokumentation.

Böse Zungen könnten natürlich behaupten, daß es sich bei der JQL nur um eine Query-Translation nach SQL handelt. Vielleicht nicht falsch, aber: "Na und?"

Aus Vertriebssicht ist JIRA 4 auch interessant, da Atlassian das Preismodell für seine Produkte geändert hat und jetzt eine Mischung aus Penetrationsstrategie und Hochpreispolitik (im Vergleich zu den vorherigen Preisen) fährt. Früher gab es drei Versionen mit unterschiedlichen Funktionsumfang: Standard, Professional und Enterprise, wobei die Entprise-Version bei 4.800 Dollar lag. Seit JIRA 4 wird jetzt nur noch der Anzahl der existierenden Benutzern lizensiert. Der Einstieg liegt jetzt bei 10 Benutzern für 10 Dollar. In Hinsicht auf sein Preis-Leistungsverhältnis ein fast unschlagbares Angebot. Auf der anderen Seite muß man für mehr als 100 Benutzer jetzt 8.000 Dollar zahlen und 100 Benutzer sind nicht viel. Wie gesagt, es wird für existierende Benutzer gezahlt und selbst in kleinen Firmen sind 100 Benutzer nicht viel. Man denke nur an Praktikanten und die natürliche Flukturation. Insofern eine doch schon sehr drastische Preiserhöhung.

Mit einem Einstiegsspreis von 10 Dollar sollen ganz klar weitere Marktanteile erobert werden. Gerade kleinere Firmen werden hier sicherlich einsteigen und bei entsprechender Zufriedenheit aufrüsten (müssen). Abgesehen von Opensource-Produkten wie Bugzilla, wird diese Preispolitik anderen Anbietern das Leben in den unteren Preissegmenten erschweren, auch wenn das richtige Geld in den oberen verdient wird. Das Positive daran ist aber auch, daß auch in der kleinsten Ausbaustufe der komplette Funktionsumfang bereit steht und bei Bedarf nur die Anzahl der Benutzer erhöht werden muß.

Mein Fazit: Trotz des effektiv erhöhten Preises ist es das beste JIRA bis jetzt, da es nicht nur kosmetische Änderungen gab, sondern neue interessante Features, die die Arbeit erleichtern und angenehmer machen.

Das Anna-Karenina-Prinzip oder warum Theater bilden kann

Sonntag, 25. Oktober 2009

An diesem Wochenende haben wir uns Karten für das Berliner Gorki-Theater gekauft, um uns Anna Karenina von Lev Tolstoj anzusehen.

Um halbwegs vorbereitet in das Stück zugehen, wollte ich mir die wichtigsten Fakten zur Geschichte zusammengooglen, da der Roman mehr als nur einen Handlungsstrang hat und ich im Theater nicht in Gefahr kommen wollte, den Überblick zu verlieren.

Tolstoj leitet seinen Roman mit dem Satz ein: "Alle glücklichen Familien sind einander ähnlich; aber jede unglückliche Familie ist auf ihre besondere Art unglücklich." Daraus wird abgeleitet, daß für das gemeinsame Glück mehrere Dinge notwendig sind, die auch erfüllt sein müssen. Fehlt es an einem, kann es kein Glück geben.

Verallgemeinert bedeutet das:

  • Für das Gelingen einer Sache sind immer mehrere Faktoren zu erfüllen.
  • Fehlt einer der Faktoren, kann die Sache nicht gelingen.

Dieses Prinzip kennen wir aus unserere eigenen Erfahrung und es erklärt sehr einfach, warum Dinge wie zum Beispiel Projekte trotz vieler Erfolge und größter Anstrengungen an Kleinigkeiten scheitern können.

Jetzt endlich habe ich dafür einen griffigen Namen...

Beyond the Low Hanging Fruit – Berliner Scrumstammtisch mit Marry Poppendieck

Donnerstag, 15. Oktober 2009

Diese Tage findet in Berlin eine Konferenz zum Thema agiles Softwaretesting statt, wodurch der Berliner Scrum-Stammtisch die Möglichkeit hatte Mary Poppendieck einzuladen und ich Marry Poppendieck kennenzulernen.

Marry Poppendieck ist durch ihre Arbeiten zu Lean Software Development mit Büchern wie Lean Development Software: An Agile Toolkit for Software Development Managers und Leading Lean Software Development: Results Are Not the Point bekannt geworden. Dementsprechend war das Thema des Abends gesetzt: Lean Software Development – What Lean Brings to Agile. Die Vortragsfolien können im Blog-Eintrag von agile.42 gefunden werden.

Inhaltlich kann ich dem an diesen Abend gesagten voll zustimmen, auch wenn es mir auf den ersten Blick schwerfällt, Lean von Agile im praktischen Leben abzugrenzen, den die Schnittmenge zwischem beiden dürfte in der Realität, dort wo Agilität wirklich gelebt wird, sehr hoch zu sein. Höchtens vielleicht so: Agile sagt uns wie wir etwas tun können, Lean sagt uns, was wir zu tun haben. Oder auch umgekehrt. ;-)

Die Ähnlichkeit zwischen Lean und Agile wird an Poppendiecks vier Lean-Merkmalen deutlich:

Lean in a Nutshell

  1. System Thinking - Customers don’t want software.
  2. Technical Excellence - Correctness can be proven at any time.
  3. Reliable Delivery - Design the system to meet the constraints.
  4. Relentless Improvement - Learn how to learn.

Wie Lean funktionieren kann, hat Marry Poppendieck sehr gut am Beispiel des Empire State Buildings dargelegt, das in weniger als eineinhalb Jahren gebaut wurde.

Insgesamt ein sehr interessanter Abend, von dem ich viele Denkanstöße mitnehmen konnte und bereits gewußtes in meinem Kopf wieder freigelegt wurde.

Es gibt keine Osmose der Firmenkultur

Donnerstag, 01. Oktober 2009

Durch Artikel im Projektmanagement-Blog und im Blog von Jens Coldewey bin ich über Youtube (nein hier gibt es keinen Link) auf Prof. Peter Kruse aufmerksam geworden.

In diesem Video erklärt Prof. Kruse sehr gut, warum Veränderungsprozesse auch immer durch die oberste Ebene einer Organisation mitgetragen werden müssen und eine Änderung von unten nie erfolgreich ist. Und falls doch, dann nur, weil die Führung durch eine Reihe von Krisen so geschwächt ist, daß sie dem Änderungsdruck von unten nichts entgegen setzen können.

Für uns und unsere Projekte bedeutet dies, daß Veränderungen nur erfolgreich sind, wenn wir die Unterstützung der wichtigsten Stakeholder haben oder einfach der richtige Zeitpunkt dafür gekommen ist.

Quellen und Verweise