Archiv für die Kategorie ‘Technik’

Fehlerkultur, vom Umgang mit Fehlern

Samstag, 08. Mai 2010

In dieser Woche war ich auf dem ersten Scrum-Day in diesem Jahr in München und saß, bildlich gesprochen, mit einem Vortrag zur Bedeutung von Unternehmenskultur für agile Softwareentwicklung auf der Reservebank, falls einer der geplanten Referenten ausfällt. Ausgefallen ist keiner, womit ich dann die Möglichkeit haben werde auf dem zweiten Scrum-Day in Berlin zum Ende diesen Jahres meinen Vortrag zu halten.

Was hat aber Unternehmenskultur jetzt mit agiler Entwicklung zu tun? Sehr viel! Liest man sich das agile Manifest durch, kann es nach meiner Meinung so zusammengefaßt werden, daß es für unseren Erfolg wichtiger ist, wie wir miteinander umgehen, als welche detailierten Prozesse wir versuchen einhalten. Wie wir mit einander umgehen, daß lernen wir in unserer Umgebung. Wir sehen, wie die anderen sich in unserer Umgebung verhalten, welche Strategien erfolgreich sind oder zumindest vor Schaden schützen, und passen uns daran an. Das paßt gut zur Definition von Kultur in Organisationen, wie ich sie bei Sonja Sackmann gefunden habe:

Organisationskultur ist die von einer Gruppe gemeinsam gehaltenen grundlegenden Überzeugungen, die deren Wahrnehmung, Denken, Fühlen und Handeln bestimmen und insgesamt typisch für die Gruppe sind.

Ein für uns sehr leicht nachvollziehbares Beispiel in der Softwareentwicklung ist der Umgang mit Fehlern. Defekte, das klingt doch wesentlich neutraler, gibt es in jeder Software, denn Software-Entwicklung ist zu komplex, um keine Fehler zu machen und sei es, daß es ab einem bestimmten Punkte nicht mehr wirtschaftlich vertretbar ist, eine Software gegen jeden Fehler abzusichern. Gute Projekte und Entwicklungsteams unterscheiden sich aber im Umgang mit Fehlern. Keiner macht gerne Fehler, denn das Fehlermachen wird negativ bewertet und oft in der einen oder anderen Form bestraft. Das kann ganz diffizil sein, beispielsweise wenn gleich gesagt wird: „Paß auf, nicht wieder die gleichen Fehler zu machen.“ Neulich habe ich in einem Projekt einen Softwarefehler gefunden und wollte zu dem für die Komponente verantwortlichen Entwickler gehen mit der Bitte, den Fehler zu beseitigen. Er sei im Urlaub sagten mir seine Kollegen, worauf hin ich meinte, daß das schlecht sei, denn er sei der Einzige, der den Fehler beheben könne, sagten sie, daß das vielleicht ja auch gut wäre, dann würde es vielleicht ja auch weniger Fehler geben. Ja, ja, der Truckfaktor. Aber, Wissensverteilung, Risikominimierung und Teamarbeit sind ja jetzt nicht mein Thema. Dieses Beispiel zeigt aber sehr gut, wie der Umgang mit Fehlern symptomatisch für die Kultur in einem Team ist. In einer solchen Umgebung werden Fehler bestraft, was dazu führt, Fehler zu vertuschen, zu leugnen, als nicht so wichtig hinzustellen, als sie zu beheben und daraus zu lernen.

In ihrem Buch „Soft Skills für Software-Entwickler: Fragetechniken, Konfliktmanagement, Kommunikationstypen und -modelle“ haben Uwe Vigenschow und Björn Schneider eine kleine Taxonomie von Fehlerkulturen aufgestellt, in der zwischen funktionaler und dysfunktionaler Fehlerkultur unterschieden wird.

Funktionale Fehlerkultur Dysfunktionale Fehlerkultur
Wie können wir Schäden minimieren? Wer hat Schuld?
Was ist die Ursache? Wie können wir den Fehler vertuschen?
Was können wir verbessern? Wem können wir den Fehler anhängen?
Was können wir verbessern? Wem können wir den Fehler anhängen?
Was können wir daraus lernen? Wir machen keine Fehler!
Typische Fragen und Aussagen für Fehlerkulturen

Welche Fehlerkultur herrscht bei Ihnen?

Harvard Businessmanager: Die Erfahrungsfalle

Mittwoch, 19. November 2008

Die aktuelle Sonderausgabe des Havard Businessmanagers Erfahrung enthält einen lesenswerten Artikel zu Fehlentwicklungen in Projekten und warum auch erfahrene Projektmanager grundsätzliche Fehler immer wiederholen.
(weiterlesen...)