Buchempfehlung: Adreanlien-Junkies und Formular-Zombies
Nach "Der Termin" erschien von Tom DeMarco 2001 "Spielräume", in dem sich DeMarco mit der Notwendigkeit auseinandersetzt auch unter hoher Belastung genügend Freiräume zu schaffen um auch langfristige Ziele verfolgen zu können. "Adrenalien Junkies und Formular-Zombies" ist die aktuelle Veröffentlichung von Tom DeMarco mit seinen der Atlantic Systems Guild-Partnern. In diesem Buch setzen sich Tom DeMarco und seine Partner mit aus ihrer Sicht typischen Verhaltensmustern im Projektgeschäft auseinander. Hierfür stellten sie 86 in Projekten beobachtete Verhaltensweisen zusammen, bei denen es sich sowohl um empfehlenswerte Muster als auch um Anti-Muster handelt. Die Muster beschreiben Verhaltensweisen, die zum Erfolg der beobachteten Projekte oder zum Gesamterfolg der sie praktizierenden Firmen beigetragen haben. Entsprechend beschreiben die Anti-Muster projektgefährdende Verhaltensweisen. Wer "Der Termin" kennt, wird viele Muster als auch Anti-Muster wiedererkennen können. Das Muster "Der Bleistiftstummel" ist beispielsweise die Entsprechung dazu, daß sie Webster Tompkins um eine gute Ausstattung seiner Projektteams kümmert, um deren Produktivität sicherzustellen. Auch die Rolle von Aristoteles Kenoros, dem Leiter des moravischen Software Engineering Institutes, findet sich indirekt in "Alte Hüpfer und junge Hasen" wieder. Dieser sich häufig einstellende Wiedererkennungseffekt und die leichte Schreibweise machen "Adrenalien-Junkies und Formular-Zombies" zu einer angenehmen und leichten Lektüre, wodurch die Schwächen den Buches kaschiert werden. Den das Buch leidet zum einen unter einer mangelnden Struktur. So sind die Muster weder nach einem ersichtlichen Schema strukturiert, noch als Muster oder Anti-Muster gekennzeichnet. Zum anderen divergieren die Musterbeschreibungen sowohl in Hinsicht auf Qualität und Umfang. Teilweise werden Muster umfangreich auf vier Seiten beschrieben, andere Muster bringen es auf nicht mehr als eine Seite. Das dem Leser keine Hilfestellungen für sein Handeln in bestimmten Situationen an die Hand gegeben werden und die mangelnde Untermauerung mit Fakten sind aber die Hauptmängel des Buches. Hier bieten andere neuere Erscheinungen wie "Softkills für Software-Entwickler" mehr Rüstzeug für den Projektalltag, auch wenn sie sich nicht so leicht lesen wie "Adrenalien Junkies und Formular Zombies". Auch bot hier Projekttagebuch von Webster Tompkins, welches am Ende jedes Kapitels geführt wurde, mehr und bessere Ansätze.
Wie auch schon bei "Der Termin" besteht der Charme des Buches darin, daß viele Verhaltensweisen mit eigenem Erlebten übereinstimmen. Der Wert von "Adrenalien Junkies und Formular Zombies" liegt darin, einen auf diese Punkte aufmerksamzumachen und einem die Möglichkeit zu verschaffen, eigene oder beobachtete Verhaltensweisen zu reflektieren, die aufgrund des Shifting-Baseline-Effekts selbst nicht mehr wahrgenommen werden. Trotz dieser überwiegend positiven Aspekte weist das Buch also schwere Mängel auf und zählt nicht zu den publizistischen Höhepunkten im Schaffen von Tom DeMarco, ist aber auf jeden Fall, auch wenn nur zur Reflektion, eine Anschaffung wert, denn alle von ihm beobachteten Punkte sind wahr.
Als Fazit bleibt festzuhalten, daß der Wert von DeMarcos Büchern in seiner Fähigkeit liegt, die in Projekten und Firmen herrschende Realität zu beobachten und uns auf bisher publizistisch-hohem und unterhaltsammen Niveau mitzuteilen. Seine Popularität begründet sich darin, dies wahrheitsgemäß zu tun und das seine Beobachtungen mit den Wahrnehmungen seiner Leser übereinstimmen. Gleichzeitig sollte uns die Notwendigkeit solcher Menschen wie Tom DeMarco auch Anlaß sein darüber nachzudenken, wie und von wem Projekte geleitet werden.
