Harvard Businessmanager: Die Erfahrungsfalle

Die aktuelle Sonderausgabe des Havard Businessmanagers Erfahrung enthält einen lesenswerten Artikel zu Fehlentwicklungen in Projekten und warum auch erfahrene Projektmanager grundsätzliche Fehler immer wiederholen.

Den Autoren nach wiederholen wir in unserer Arbeit als Projektmanager immer wieder die gleichen Fehler, die wir auch ohne lange Erfahrung schon am Anfang gemacht haben. Lernen wir also nicht dazu? Verantwortlich für dieses Phänomen ist unser mentales Modell, auf dessen Grundlage wir unsere Entscheidungen treffen. Als mentales Modell wird hierbei unser Wissen und die darin kodierten Zusammenhänge zwischen Ursache und Wirkung bezeichnet.

Eigentlichtlich sollte es doch so sein, daß mit zunehmender Erfahrung sich auch unser mentales Modell erweitert, da wir unserm Wissen neuen Fakten und Regel hinzufügen. Dem setzen die Autoren entgegen, daß es uns Menschen schwer fällt Ursache und Wirkung über längere Zeitabstände nicht nur zur Erkennen, sondern auch in unser Handlungsschema zu integrieren. Ich denke, dieses Phänomen ist uns doch nur all zugut bekannt.

Wir müssen also Wege finden auch über größere Zeiträume uns Zusammenhänge zu verdeutlichen. Die Autoren empfehlen hierfür kognitives Feedback. Hierfür werden wichtige Variablen im Projektalltag identifiziert und deren Abhängigkeiten beschrieben. Steuerungsvariablen bilden unser Handeln ab, Kontrollvariablen beschreiben die Auswirkungen unserer Maßnahmen.

Ein leicht nachzuvollziehendes Beispiel sei der Zusammenhang zwischen Defekten in einem Software-Produkt und den Aufwänden für Schulungen. Wir gehen davon aus, daß viele Fehler im Projekt auftreten, will Wissen, ein gemeinsames Verständnis oder Standardsfehlen. Unser Ziel ist es die Fehler im Projekt zu reduzieren. Als Kontrollvariable nehmen wir die Anzahl der gemeldeten und bestätigten Defekte aus unserem Bugtracking-System. Um unsere Fehlerquote zu senken, investieren wir in die Aus- und Fortbildung unserer Mitarbeiter und messen dies über die dafür entstanden Kosten. Wie zu erwarten sinken nach einiger Zeit mit den Schulungen die Fehler und wir können den Schulungsaufwand reduzieren. Trotzdem sinkt die Defektanzahl auch noch später, obwohl den Schulungsaufwand auch reduzieren. Hier stellt sich eine Langzeitwirkung ein.

Ein einfaches Beispiel und nicht immer sind Zusammenhänge so einfach. Doch es demonstriert gut, was kognitives Feedback bedeutet. Für eine richtige Anwendung setzt es jedoch eine gute Datenbasis und kontinuierliche Datenerhebung voraus.

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