40 Jahre Software Engineering
Wenn das ObjectSpektrum nicht seine aktuellen Ausgabe dem Thema 40 Jahre Software Engineering gewidmet hätte, wäre dieses Ereignis wohl auch an mir ohne besonderen Wahrnehmung vorbei gegangen. Zugegeben, 40 Jahre sind kein rundes Jubiläum, aber ein guter Anlaß um das Thema wieder in den Mittelpunkt zu rücken.
Nach meiner Meinung wird das Thema Software Engineering auch heute noch in vielen Firmen zu sehr vernachläßigt und der Erfolg eines aktiv betriebenen Software Engineering-Prozesses in Frage gestellt. Der Grund dafür ist, daß es es sich dabei um einen umfassenden Prozess handelt, der viele Teildisziplinen beinhaltet und heute mehr den je eine Querschnittstätigkeit darstellt. Als Software-Ingenieur ist nicht mehr der reine Techniker gefragt, sondern eine Person, die sowohl die Technik beherrscht und sich im sozialen Raum sicher bewegen kann, um auch Aufgaben wie Projektmanagement und Anforderungsdefinition zu übernehmen.
Daß wir heute im Bereich des Software Engineerings noch lange nicht die Erfolgsquote und Qualitätsziele erreichen wie in anderen Branchen, dürfte aber nicht nur daran liegen. Vielmehr wird Software Engineering noch zu sehr als Produktion von Software verstanden. Doch Software entsteht nicht am Fließband.
Jedes Projekt ist ein Entwicklungsprojekt, dessen Ergebnis wir am Anfang noch nicht kennen (können). Wir habennur eine Vorstellung von den ungefähren Zielen, die erreicht werden sollen. Oft ist der Weg dahin noch unbekannt oder unklar. Insofern ist jedes Softwareprojekt eher wie ein Forschungsprojekt zu betrachten. Das macht auch die Planung so schwierig, ist aber auch die Grundlage für die Freude an der Softwareentwicklung.
